Die Antwort auf das SUV: Startup Canoo zeigt E-Kleinbus

Die Antwort auf das SUV: Startup Canoo zeigt E-Kleinbus

Freitag, 27. September 2019

„Die Ära des SUV ist vorüber“ – das sagt Stefan Krause im Gespräch mit der „Wirtschaftswoche“ in einer Momentaufnahme, in der dieser Fahrzeugtyp so beliebt wie nie zu sein scheint. Womöglich ist diese Ansicht aber nur der Zeit voraus, so wie das US-Startup Canoo, in dem Krause als Verwaltungsratschef wirkt. Er hat eine Vergangenheit bei BMW, wo er einst als Finanzvorstand wirkte. Vom Münchener Autobauer kommt auch Ulrich Kranz, der als Vater des i3 gilt. Nun ist er der Chef des jungen, seit gut eineinhalb Jahren existierenden Unternehmens aus Kalifornien. Mit ihrem E-Kleinbus haben die Verantwortlichen nun das erste Fahrzeug von Canoo präsentiert.

Das bislang noch namenlose Modell soll „die Antwort auf den SUV“ sein, wie Krause verdeutlicht. Angesichts einer Länge von 4,4 Metern, einer Höhe von 1,84 Metern sowie der Breite von 1,90 Metern bringt der Stromer reichlich Kapazität mit. Doch auch die Leistung kann sich sehen lassen: Gut 220 Kilowatt schlummern in dem Bus, die etwa 300 PS gleichzusetzen sind. Die Höchstgeschwindigkeit gibt Canoo mit 200 Stundenkilometern an.

Canoo Kleinbus Elektro_2

Sorgen bezüglich der Reichweite sind unnötig, denn nach dem in den USA gültigen Fahrzyklus (EPA) schafft es der Elektro-Kleinbus auf umgerechnet 400 Kilometer. Wird er mit Gleichstrom versorgt, braucht er lediglich eine halbe Stunde, um wieder bei 80 Prozent anzugelangen. Konzipiert ist das Modell nach dem sogenannten Skateboard-Prinzip. Damit ist das in dieser Art aufgebaute Chassis gemeint, in welchem der Akku, der E-Motor, das Batteriemanagement und die Steuerungselektronik untergebracht sind. Dieses System erlaubt verschiedene Aufbauten.

Im Falle des Canoo sind zunächst zwei Sitze für Fahrer und Beifahrer vorgesehen, während eine U-förmige Sitzbank mindestens fünf weiteren Passagieren Platz bietet. Als Alternative plant das Startup ebenso einen Transporter. Insgesamt ist das Fahrzeug bewusst minimalistisch gehalten. Lediglich ein schlankes LED-Display ist am Cockpit eingerichtet. Dort sind die wichtigsten Informationen wie das Tempo oder die Reichweite einsehbar. Vor allem soll der Nutzer aber eine dafür entwickelte App auf seinem Smartphone verwenden  – mit der Handhabung des Mobiltelefons ist er laut Canoo ohnehin am besten vertraut.

Ein weiteres Designmerkmal verkörpert die nahezu vollständig nach unten durchgezogene Frontscheibe. Sie verhilft zu einem bestmöglichen Überblick, gerade auch beim Einparken. Allerdings braucht sich der Fahrer selbst nicht unbedingt anzustrengen, denn der E-Kleinbus ist mit einer ganzen Palette an Assistenzsystem ausgestattet. Das teilautomatisierte Fahren wird er beherrschen.

Canoo Kleinbus Elektro_1
Fotos: Canoo (3)

Und damit noch nicht genug der Besonderheiten: Canoo will das Elektrofahrzeug nicht verkaufen. Ausschließlich eine Miete ist vorgesehen. Wie hoch deren Beitrag ausfällt, ist noch nicht bekannt. Das liegt aber wohl auch daran, dass sich noch diverse Leistungen wie Wartungen, eine Versicherung oder der Ladestrom hinzubuchen lassen, wodurch die Kosten dann variieren. Dieses Abo wird offenbar monatlich kündbar sein.

Im Spätsommer 2021 soll das Modell auf den Markt kommen. Als erste Märkte sind die USA und China vorgesehen.