Hürden für privates Laden sollen beseitigt werden

Hürden für privates Laden sollen beseitigt werden

Dienstag, 02. April 2019

Wer den Kauf eines Elektroautos in Erwägung zieht, denkt vermutlich über drei wesentliche Aspekte nach. Das dürfte neben dem Preis und der Reichweite vor allem das Aufladen betreffen. Einer Statistik des Verkehrsministeriums zufolge versorgen zwischen 75 und 85 Prozent der Halter eines Stromers den Wagen daheim oder am Arbeitsplatz mit neuer Energie. Mieter und Wohnungseigentümer stehen jedoch häufig vor Herausforderungen, um die Installation einer Ladestation durchzusetzen. Das soll künftig einfacher werden.

Schon im vergangenen August hatten wir darüber berichtet, dass seitens der Großen Koalition Pläne bestehen, durch die sich der Aufbau privater Ladestationen unkomplizierter gestalten soll. Jetzt scheinen sich diese allmählich zu konkretisieren. Das bekräftigt ein Gespräch von Justizministerin Katarina Barley (SPD) mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Ihr Ministerium wolle für die gesetzlichen Rahmenbedingungen sorgen, damit Lademöglichkeiten – insbesondere in privaten Wohngebäuden – geschaffen werden könnten. Es dürfe „nicht an komplizierten Regelungen im Eigentumsrecht scheitern“, stellt die Politikerin klar.

Tesla Homecharging Elektroauto
Fotos: Audi (oben), Tesla (unten)

Potenzielle Kaufinteressenten eines E-Autos bräuchten Klarheit und Rechtssicherheit, wenn es um das Laden geht. Deswegen strebt das Justizministerium an, Eigentümern und Mietern den Einbau einer privaten Ladestation mit den entsprechenden gesetzlichen Regelungen zu erleichtern. Diesen Schritt forderte zuletzt bereits der Energieverband BDEW. Stefan Kapferer, Vorsitzender der BDEW-Hauptgeschäftsführung, sagte dazu in einer Presserklärung: „Das Miet- und Wohnungseigentumsrecht muss jetzt angepasst werden“. Kapferer leitet zugleich eine Arbeitsgruppe der „Nationalen Plattform Zukunft der Mobilität“ (NPM). Diese hat in einem Papier den Aufbau privater Ladesäulen als einen der wichtigsten Hebel für die Entwicklung der Elektromobilität in Deutschland ausgemacht.

Derzeit darf ein Eigentümer innerhalb einer Wohneigentümergemeinschaft nur dann eine Lademöglichkeit installieren lassen, sofern alle Parteien einverstanden sind. Schon an einem Veto kann das Vorhaben scheitern. In einem Mietverhältnis verfügt der Vermieter aktuell über das Recht, den Bau eines Ladepunktes zu untersagen.

Neben den Bestrebungen des Justizministeriums will auch Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) einen Beitrag leisten, um mehr Lademöglichkeiten zu schaffen. Er forderte er in der „Bild am Sonntag“ eine Milliarde Euro zusätzlich. Der Staat soll sich mit diesem Geld mit bis zu 50 Prozent an Kosten für den Ausbau privater und gewerblicher Ladestationen beteiligen. Zur Debatte steht außerdem eine Verlängerung des Umweltbonus, der den Kauf eines Elektroautos mit 4.000 Euro bezuschusst.