Umrüstung zum Elektroauto

Dass E-Autos in Zukunft die Straßen vermehrt beherrschen, lässt sich anhand der voranschreitenden technischen Entwicklung bereits zum gegenwärtigen Zeitpunkt absehen. Immer mehr Hersteller setzen auf Modelle mit elektrischem Antrieb und sorgen dafür, dass auf diesem Weg auch das allgemeine Interesse steigt. Doch nicht nur die Nachfrage bei den Neuvorstellungen wächst, sondern es gibt ein weiteres Anliegen vieler Fahrzeugliebhaber. Dieses zielt auf die Umrüstung zum E-Auto ab. Umgerüstet wird dabei ein Wagen, der ursprünglich einen Verbrennungsmotor genutzt hat. Grundsätzlich besteht die Möglichkeit eines derartigen Umbaus bei jedem beliebigen Modell.

Inzwischen hat sich eine ganze Reihe an Firmen hervorgetan, die genau diesen Service anbieten und einen Benziner oder Diesel zu einem E-Auto transformieren. Doch nicht nur das: Wer über ein technisches Verständnis verfügt und lieber in der Garage selber werkelt, kann mittlerweile einen Komplettsatz mit allen notwendigen Komponenten zur Umrüstung kaufen.

Was bei einer geplanten Umrüstung vom Verbrenner zum E-Auto zu berücksichtigen ist? Welche Argumente für und gegen dieses Prinzip sprechen, haben wir auf dieser Seite zusammengetragen.

1.  Zu berücksichtigende Aspekte bei einer Umrüstung zum E-Auto

Die Umrüstung eines konventionellen Fahrzeugs mit Verbrennungsmotor zu einem E-Auto erscheint aus mehrerlei Hinsicht als attraktiv. So steht bei erfolgreichem Abschluss dieses Vorhabens eine Befreiung der Kfz-Steuer für die kommenden zehn Jahre in Aussicht. Durch die Förderung der Elektromobilität in Deutschland herrscht schließlich eine gesetzliche Regelung, auf deren Basis dies noch bis zum Jahresende 2020 gewährleistet ist. Wie lange das Fahrzeug im Vorfeld zugelassen war, bevor es die Wandlung zum E-Auto vollzogen hat, spielt für diese Bestimmung keine Rolle. Selbst aus einem Oldtimer könnte demnach ein elektrisch angetriebenes Mobil entstehen.

Besonders für Liebhaber seltener Fahrzeuge oder bestimmter Marken kann die Umrüstung in Frage kommen. Sie können das gewohnte Erscheinungsbild des Autos mit einer modernen und ökologischen Antriebstechnik vereinen. Die Umrüstung ist jedoch mit einigem Aufwand verbunden – auch in finanzieller Hinsicht.

1.1  Technische Belange

Tatsächlich ist eine Umrüstung auf einen Elektroantrieb mit grundsätzlich jedem Modell realisierbar. Bei manchen Fahrzeugen gestaltet sich das Vorhaben simpler und bei einigen schwieriger. Zunächst lässt sich die These aufstellen, dass der Umbau bei einem älteren Modell leichter umzusetzen ist, als mit einem vergleichsweise neuen Pkw.

Und dafür gibt es gleich mehrere Gründe. Einer davon ist die Entwicklung des Gewichts, welche die Fahrzeuge im Allgemeinen in den zurückliegenden Jahren hervorgebracht haben. Es ist festzustellen, dass die modernen Pkws insgesamt schwerer ausfallen als in der Vergangenheit. Gerade im Hinblick darauf, dass der später einzusetzende Akku mehrere hundert Kilogramm wiegen dürfte, ist also die Gesamtlast des E-Autos von Relevanz. Je schwerer dieses ist, umso höher ist sein Energiebedarf, wodurch im Umkehrschluss die Kapazitäten des Akkus schneller aufgebraucht sind. Die Folge: Das Fahrzeug muss früher wieder geladen werden.

Ältere Modelle haben zudem den entscheidenden Vorteil, dass sie mit einer weniger komplexen, technischen Ausstattung bedacht sind. ESP, Traktionskontrolle oder auch eine Wegfahrsperre erschweren den Umbau eher. Das bedeutet einen Mehraufwand, der sich schließlich auch finanziell durch höhere Kosten niederschlägt – insbesondere durch eine größere Zahl an erforderlichen Arbeitsstunden.

Eine weiteres technisches Kriterium für die Umrüstung eines Fahrzeuges ist die Karosserieform. Es wird von stromlinienförmigen Silhouetten gesprochen. Was humoristisch klingt, ist jedoch insbesondere bei Elektroantrieben relevant. Der Energieverbrauch und die Höchstgeschwindigkeit werden durch die Form des E-Autos beeinträchtigt. Der vermehrte Luftwiderstand sorgt für einen erhöhten Energiebedarf und kann die maximale Geschwindigkeit bei einem E-Auto unter Umständen um bis zu 15 Stundenkilometer herabsetzen.

1.2  Kriterien aus Sicht des TÜV

Mit dem TÜV steht und fällt die Entscheidung, ob das zum Elektroauto umgebaute Fahrzeug letztendlich auch für den öffentlichen Straßenverkehr zugelassen werden darf. Bei der Verwandlung eines Benziners oder Diesels zum Stromer kommt es im rechtlichen Sinne zu einer grundlegenden Modifizierung des Wagens. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass eine Zulassung erneut vom TÜV zu prüfen ist.

Alle technischen Komponenten müssen daher einwandfrei funktionieren und außerdem darf das zulässige Gesamtgewicht des E-Autos nicht überschritten werden. Klar: Grundsätzlich sind zahlreiche Komponenten wie der Verbrennungsmotor, der Kühler, das Getriebe oder auch Tank und Auspuff entfernt worden, was somit weniger Ballast bedeutet. Die Akkus ersetzten das Gewicht dieser eingesparten Bauteile jedoch nahtlos. Bei der Auswahl eines Energiespeichers für das Fahrzeug muss dieser Punkt also zwingend berücksichtigt werden.

Zur Prüfung des TÜV gehört auch eine sogenannte elektromagnetische Verträglichkeitsprüfung (EMV). Dieses Verfahren untersucht, ob eine einwandfreie Funktionsweise gewährleistet ist, ohne dass das E-Auto andere Geräte stört oder von diesen beeinträchtigt wird. Zu dieser Prüfung ist der TÜV jedoch nicht verpflichtet, wenn die Erstzulassung des Fahrzeugs vor dem 01. Oktober 2002 erfolgte. Warum genau dieser Stichtag für die Prüfung entscheidend ist, konnten unsere Redakteure leider nicht auflösen.

1.3  Finanzielle Aspekte

Ob die Umrüstung nun in Eigenregie oder durch eine spezialisierte Werkstatt erfolgt – es sind in jedem Fall keine geringfügigen Kosten für den Umbau zu erwarten. Beim selbstständigen Vorgehen ist noch einmal zu unterscheiden, ob die einzelnen Komponenten separat gekauft werden oder die Wahl auf einen kompletten Bausatz fällt. Diese Bundles können sich bereits jenseits der 10.000 Euro bewegen.

Noch aufwendiger ist es, sich nach allen Einzelteilen im Speziellen umzuschauen. Das hält andererseits die Möglichkeit offen, gegenüber einem Komplett-Set Geld zu sparen. Ein günstiges Unterfangen ist aber auch das nicht unbedingt. Für einen Elektromotor sind Kosten in einer Größenordnung von 2.000 bis 6.000 Euro einzurechnen, natürlich wahlweise mit Luft nach oben.

Der Preis für den Akku als Energiespeicher richtet sich nach dessen Kapazität. Je mehr Kilowattstunden bereitstehen sollen, umso höhere Kosten sind zu erwarten. Gerade, wer viel Wert auf die Reichweite legt, wird hier tiefer in die Tasche greifen müssen. Akkus für kleinere E-Autos starten bei etwa 4.000 Euro. Für eine sehr leistungsstarke Batterie sind dennoch Preise rund um die 10.000er Euro-Marke nicht unüblich.

Das sind jedoch nur zwei der wesentlichen Bauteile, die für den Umbau zum E-Auto benötigt werden. Einige weitere Komponenten sind beispielsweise:

  • Konverter für den Akku (Gleichstrom bzw. Wechselstrom umwandeln)
  • Konverter für die 12 Volt Batterie
  • Batteriemanagementsystem (BMS)
  • On-Board-Charger (Spannungswandler)
  • Anzeige für die Überwachung des Akkus
  • verschiedene Kabelstränge mit großem Querschnitt
  • Materialien für die Montage
  • usw.

Wer sich vor der Planung, der Anschaffung, dem anschließenden Aufwand von Demontage der Bauteile des Verbrennungsfahrzeugs sowie der Montage für das E-Auto in Eigenregie eher Fernhalten will, kann auch auf die Dienste einer spezialisierten Werkstatt setzen. Die Zahl der Anbieter wächst stetig. Gleichzeitig fallen jedoch auch hier hohe Kosten an, die vom Modell und den individuellen Wünschen abhängen. Eine Investition von 20.000 Euro oder mehr ist hier durchaus realistisch.

Hinzukommend muss die abschließende Zulassung beim TÜV abgelegt werden. Auch an dieser Stelle sind Ausgaben einzukalkulieren, die zum Teil variieren können. Beispielsweise ist für die Elektromagnetische Verträglichkeits-Prüfung (EMV) noch einmal ein Betrag im vierstelligen Bereich zu erwarten.

2.  Vorteile und Nachteile der Umrüstung zum E-Auto

Wie sich anhand des Aufwands und der entstehenden Kosten bereits andeutet, ist die Umrüstung zum E-Auto zweifelsohne kein kostengünstiges und einfaches Vorhaben. Wer sich aufgrund seiner technischen Kenntnisse den Umbau selbst zutraut, kommt beim geschickten Einkauf der entsprechenden Teile preiswerter.

Demgegenüber stehen die Profis einer Werkstatt, welche die Umrüstung als Dienstleistung anbieten. Nicht zu vergessen bleibt auch die Tatsache, dass bei einigen Arbeitsschritten mit großer Vorsicht vorzugehen ist – schließlich stellt vor allem die Hochvoltbatterie mit den entsprechenden Stromflüssen eine Gefahrenquelle dar.

Ob die Umrüstung von einem Verbrennungsfahrzeug zu einem E-Auto in Betracht zu ziehen ist, hängt insbesondere von den eigenen Vorstellungen und finanziellen Möglichkeiten ab. Die wichtigsten Argumente für diesen Schritt, aber auch die gegenüberstehenden Nachteile des Umbaus haben wir noch einmal zusammengefasst.

Vor- und Nachteile
VorteileNachteile
Befreiung von Kfz-Steuer für 10 Jahre, anschließend reduzierte Beiträgehoher Kostenaufwand von der Beschaffung der Technik, über die Montage bis hin zur Neuzulassung
100 Prozent emissionsfreiGefahren beim Umbau in Eigenregie (z.B. Hochvoltbatterie) berücksichtigen
geringere Wartungskosten, da Verschleißteile wie Zylinder, Anlasser, Auspuff, Lichtmaschine usw. entfallenGesamtgewicht darf nicht überschritten werden
Ölwechsel erübrigen sichmit Umrüstung verbundene Kosten nähern sich dem Wert eines neuen E-Autos
Verbrauchskosten sinkenalte Fahrzeugkarosserieform passt optisch nicht immer zum E-Antrieb (keine Auspuffrohre etc.)
jedes Modell lässt sich grundsätzlich umrüstensollten Ersatzteile benötigt werden, die nicht den Elektroantrieb betreffen, kann es je nach Modell Engpässe geben
fertige Umbau-Kits erhältlich und zahlreiche spezialisierte Werkstätten verfügbarverweigert der TÜV die Zulassung, sind Nachbesserungen nötig oder das Projekt war vergebens
Technologie und Komponenten sind immer wieder aktualisierbar bei Bedarfje moderner das Fahrzeug, desto komplizierter die Umbauarbeit