Umweltbonus verlängert. Was braucht es noch?

Umweltbonus verlängert. Was braucht es noch?

Montag, 03. Juni 2019

Wie es sich bereits im Vorfeld abzeichnete, ist der Beschluss inzwischen gefasst: Der sogenannte Umweltbonus behält auch über den 30. Juni hinaus Gültigkeit. Nachdem die Kaufprämie für Elektroautos ansonsten Ende dieses Monates ausgelaufen wäre, hat sie bis zum 31. Dezember 2020 Bestand – oder sie endet eher, falls die Gelder aus dem Fördertopf schon zu einem früheren Zeitpunkt aufgebraucht sind. Nachdem diesem wichtigen Beschluss der Politik für das elektrische Fahren in Deutschland werden nun Stimmen laut, die auf einen mindestens ebenso wichtigen Aspekt hinweisen. Sie betreffen den Ausbau der Ladeinfrastruktur.

Im Zuge der Bekanntgabe, dass der Umweltbonus bis Ende 2020 eine Verlängerung erfährt, brachte Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) bereits die wichtigsten Voraussetzungen auf den Punkt. Neben dieser staatlichen Unterstützung sie „die Industrie gefragt, noch bessere Angebote zu machen“. Außerdem betonte er: „Gleichzeitig müssen wir die Ladeinfrastruktur kontinuierlich weiter ausbauen, um der Elektromobilität in Deutschland endlich auf breiter Front zum Durchbruch zu verhelfen“.

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Foto: Symbolbilder, Tesla Inc. (unten), Audi (oben)

Genau dieser Auffassung ist auch der Verband der Automobilindustrie (VDA). Er hat der Politik nun einen Entwurf vorgelegt, der sich eben mit der Ladeinfrastruktur auseinandersetzt. Darin fordert die Organisation zunächst eine starke Erweiterung des öffentlichen Ladenetzes. In einem zweiten Schritt sollten auch private Stationen „massiv“ ausgebaut werden. Derzeit existieren hierzulande rund 17.000 Ladepunkte. Diese Zahl ist nach Ansicht des VDA absolut unzureichend, der zugleich auf China verweist, wo bereits etwa 330.000 öffentliche Lademöglichkeiten geschaffen wurden.

Nun mögen die Unterschiede zwischen beiden Ländern hinsichtlich der Fläche und der Einwohnerzahl stark variieren – dass es in Deutschland dennoch mehr „Stromtankstellen“ bedarf, steht dabei außer Frage. Eine gute Ladeinfrastruktur gilt schließlich als eines der wichtigsten Kriterien für den Kauf eines Elektroautos. Das Beratungsgremium der Bundesregierung, die Nationale Plattform Zukunft der Mobilität (NPM), prognostiziert bis 2030 zwischen 7 und 10,5 Millionen Stromern auf hiesigen Straßen.

Um diese ausreichend versorgen zu können, seien laut VDA 700.000 bis eine Million Normalladepunkte notwendig sowie zusätzliche 70.000 bis 100.000 Schnellladestationen. Zwischen acht und elf Millionen Ladepunkten bedarf es laut Schätzungen für den Privatbereich. Der Automobilverband schlägt dazu vor, sich diesem Verfahren in zwei Phasen anzunehmen. Zunächst solle die Aufmerksamkeit dem öffentlichen Bereich gelten. Gut sichtbare Stationen wecken in der Konsequenz auch das Vertrauen in der Bevölkerung zu E-Mobilität. Im Anschluss könne der Privatbereich unter anderem mit vereinfachten Genehmigungsverfahren und Fördermaßnahmen unterstützt werden.